Blue Bytes – deutsche Entwickler auf dem Vormarsch

Es spielt fast keine Rolle, wie eng oder weitläufig jemand mit PCs vertraut ist. Den Namen „Die Siedler“ hat fast jeder schon gehört. Seinem Entwickler „Blue Byte“ brachte diese Serie große Bekanntheit und macht aus ihm ein renommiertes Unternehmen. In jüngerer Vergangenheit machte das Studio mit „Anno Online“ und „Die Siedler Online“ von sich reden. Ihr Free2Play-Konzept wird allerdings von vielen kritisch beäugt. Die nahezu fünfundzwanzig Jahre des Bestehens sind auch an Blue Byte nicht wirklich spurlos vorbei gegangen.

Die Gründungsgeschichte des Unternehmens wirkt wie aus dem Bilderbuch ausgeschnitten. Es war 1988, da verließen Thomas Hertzler und Lothar Schmitt ihren Arbeitgeber Rainbow-Arts. Zu der Zeit waren Monochrom Bildschirme und die Hercules Karte noch weit verbreitet. Ungeachtet dieser wenig visionstauglichen DV-technischen Situation gründeten die Väter noch im Oktober des gleichen Jahres die Blue Bytes. Der historische Moment bestand aus einer Kammer unter dem Dach, 10.000 DM Startkapital und einer Menge guten und weiter zu entwickelnden Ideen.

Blue Byte kann offensichtlich gar nicht anders und legt direkt mit einem Erfolg los. Das Erstlingswerk „Great Courts“, eine Tennissimulation verkauft sich mit ungefähr einer halben Million Exemplare einfach blendend. Mit „Battle Isle“ erscheint 1991 der erste Titel, den Blue Byte selbst bekannt macht. Diese Entscheidung gilt als die Beste der Unternehmensgeschichte. Battle Isle hält bis heute den Status eines der besten Rundenstrategie-Serien aller Zeiten zu sein. Seine Verkaufszahl: 650.000. Es ist die Grundlage einer deutschen Kultreihe.

Das Prinzip ist so einfach wie genial. Mit Panzern, Kampfbuggys & Co werden entweder alle gegnerischen Einheiten vernichtet oder das Hauptquartier wird zerstört. Bei den Auseinandersetzungen kommt ein Schere-Stein-Papier-Prinzip zum Einsatz. 1993 landen Blue Bytes mit „Die Siedler“ einen Mega Coup und erschaffen ihre wichtigste Marke. Sie setzen sich buchstäblich ein Denkmal. Das Spiel zieht seine Faszination aus dem vielschichtigen Aufbaupart. Die Figuren „wuseln“ durch die Gegend und lassen damit die Siedler zum Inbegriff des Wortes „wuseln“ werden.

Bereits die erste Version dieses Spiels bietet diesen unnachahmlich hohen Wusel- und Knuddelfaktor. Der hohe Erfolg macht Blue Bytes Mut 1994 in England und 1995 in den USA jeweils eine Niederlassung zu etablieren. Ein Jahr später durchbrechen Blue Bytes dann endgültig die Mauern zum Erfolg. Der Grund dafür ist der zweite Siedler-Teil. Auch wenn „Die Siedler 2: Veni, Vidi, Vici“ wenig neu macht, wird das Spiel samt Erweiterung ein digitaler Mega Erfolg. Seither sind Blue Bytes weit mehr als ein Insidertipp. Die Unternehmensgeschichte ist überwältigend und die Spiele haben fast alle definitiv schon jetzt Kultstatus. Man kann sich auf weitere Entwicklungen freuen.